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Frankophonie: Wo in der Welt Französisch gesprochen wird

Französisch wird nur in Frankreich gesprochen? Weit gefehlt. Die Sprache und das Land haben ihre Spuren auf allen Kontinenten hinterlassen. Wo und warum wird in der Welt Französisch gesprochen?

Was verbindest Du spontan mit Frankreich? Den Eiffelturm in Paris, das Schloss von Versailles oder die Lavendelfelder in der Provence? Nicht so recht ins Bild zu passen scheint da, dass die längste Außengrenze Frankreichs zwischen Frankreich und Brasilien verläuft. Genau, dem Brasilien – immer noch dem einzigen Brasilien, falls Du gerade zu grübeln beginnst – in Südamerika. Französisch-Guayana im Norden des Kontinents ist nämlich ein Überseegebiet Frankreichs und als Region des Landes Teil der EU. Warum das so ist? Frankreich hat eine lange Kolonialgeschichte, die die 300 Millionen Sprecher miteinander verbindet.

France métropolitaine

La Métropole: Das ist der Teil Frankreichs, der sich auf dem europäischen Kontinent befindet. Kurz: Der Teil, an den wir wohl alle denken, wenn wir Frankreich hören. Neben dem Festland – also vom Norden bei den Sch’tis bis in den Süden an die spanische Grenze – gehören auch die nahen Inseln wie Korsika zum Mutterland. Tatsächlich wohnen hier mehr als 97 Prozent aller Einwohner des Staatsgebiets Frankreichs.

Und was ist dann ein métropolitain? In den Überseegebieten Frankreichs werden so öfters die Menschen genannt, die eben aus der Métropole kommen. Wenn Du kurz überlegst, was Du als erstes mit Frankreich verbindest... sind da vermutlich ein paar Klischees dabei, oder? So kannst Du dir auch das Bild „der Franzosen“ in den Überseeregionen vorstellen: „Der Franzose“ sollte idealerweise aus Paris kommen und auf seine Heimatstadt – trotz unübersichtlicher Metropläne – unheimlich stolz sein.

France d’outre-mer

Palmen, tropische Temperaturen und Haie: Auch das gehört zu Frankreich, wenn man die Überseegebiete, La France d’outre-mer, hinzunimmt. So gehören etwa Martinique in der Karibik, Neu-Kaledonien im Pazifik oder La Réunion im Indischen Ozean zu Frankreich.

Wie kam es dazu? Seit dem 16. Jahrhundert sind Franzosen um den Globus gesegelt, um fremde Länder und Gebiete zu unterwerfen. Diese lange Kolonialgeschichte erzählt die Geschichte des Leids und der Misere vieler Menschen, die versklavt wurden. Abgeschafft wurde die Sklaverei im 19. Jahrhundert. Aus den Kolonien wurden schließlich Überseeregionen mit den gleichen Rechten und Pflichten wie das Mutterland. Nach wie vor ist die Kolonialgeschichte aber noch sehr wichtig und gehört zur Identität der Menschen in den Überseeregionen: Neben dem Französischen sprechen viele Menschen Kreolisch. Créole antillais, créole martiniquais, créole réunionnais: Aus der behilfsmäßigen Kommunikation zwischen den Sklaven in den Überseeregionen haben sich eigenständige Sprachen entwickelt – in jedem Gebiet eine eigene. Somit sind viele Menschen zweisprachig und die verschiedenen Sprachen erzählen einen Teil der Geschichte Frankreichs.

Zweisprachigkeit außerhalb Frankreichs

Was ist aber mit der kanadischen Provinz Québec und anderen nicht-französischen Gebieten, in denen heute Französisch gesprochen wird? Diese Gebiete waren einmal französisch und viele Menschen sprechen die Sprache dort heute, aber es handelt sich häufig nicht um eine Amtssprache. Einen offiziellen Status hat das Französische etwa noch in Louisiana in den USA, wenn es auch nur noch von etwa drei Prozent der Bewohner Louisianas gesprochen wird.

In Québec ist die Situation eine besondere: Hier ist Französisch die offizielle Amtssprache und ca. 80 Prozent der Einwohner sind Muttersprachler. In Großstädten wie Montréal lebt die Zweisprachigkeit – die Universitäten sind etwa englisch- oder französischsprachig. Mit Blick auf die Sprache scheint Entscheidungen zu treffen aber nicht die große Stärke der Einheimischen: Möchte man sich nun stärker vom Englischen abgrenzen als in Frankreich oder ist man näher am Englischen? Um Anglizismen zu vermeiden, wird anders als im Französischen für das Wort Wochenende nicht week-end, sondern fin de semaine gesagt. Gleichzeitig wird für Auto statt dem französischen Wort voiture aber das an das Englische angelehnte Wort char gebraucht. Ganz schön verwirrend!

 

Ob es also nützlich ist, Französisch zu sprechen? Sogar in ziemlich vielen Teilen der Welt! Durch die Spuren, die Frankreich in der Welt hinterlassen hatte und die sich wieder neu vermischten, sind an vielen Orten mehrere Sprachen und Kulturen gleichzeitig zu entdecken. Wer sich etwa in Montréal nicht zwischen einem Sprachkurs Englisch oder Französisch entscheiden kann, taucht in der Stadt immer auch in die andere Sprache ein.